Flusskasematte ‘Lent-Oost’

Diese Kasematte ist eine sogenannte Flusskasematte (rivierkazemat), die aus drei Etagen besteht und mit Kanone und Maschinengewehr bewaffnet ist. Die Kasematte wurde 1936 zusammen mit zwei anderen Kasematten in der Region gebaut. Eine Kasematte an der Auffahrt der Brücke Lent-Mitte, und die andere an den Bahngleisen Lent-West. Die Kasematten sollten eine wichtige Rolle spielen bei der Zerstörung der Eisenbahn- und Verkehrsbrücken über die Waal, sobald die deutsche Armee in die Niederlande einfallen sollte. So sollte ein Vormarsch zum Stehen gebracht werden.

Die Flusskasematten entlang der Flüsse IJssel, Waal und Maas in der Linie unter ‘A’. (NIMH)(NIMH)

Neutralität unhaltbar

Die niederländische Neutralität geriet in den 1930er Jahren zunehmend unter Druck. Die Regierung hielt einen Angriff auf die Niederlande für ein realistisches Szenario. Der neue Generalstabschef entschied daher 1935, dass der materielle Zustand der Armee drastisch verbessert werden solle. Die Flussübergänge über IJssel, Maas und Waal wurden mit Kasematten versehen, die von Polizeitruppen permanent bewacht wurden. In Nimwegen wurde beschlossen, die Kasematten am Nordufer zu platzieren. Sowohl der nördliche als auch der südliche Ausgang konnten mit einer schweren Stahltür und einer Straßensperre verschlossen werden.

Der Schießvorfall

Seit die Verkehrsbrücke am 16. Juni 1936 von Königin Wilhelmina eröffnet worden war, wurde sie permanent von einer Abteilung des Korps Politietroepen bewacht. Tag für Tag standen sie in ihrer graugrünen Uniform auf der Brücke. Die einzige Abwechlung bei dieser Aufgabe bestand darin, die Bedienung der Kanone zu üben. Egal wie oft dies geschah, es blieb immer riskant. Das zeigte sich am 14. August 1939. Während Wartungsarbeiten wurde gegen 12:00 Uhr versehentlich ein Geschoss auf die Brücke abgefeuert. Glücklicherweise war die Kanone nach unten gerichtet, wodurch das Projektil die Böschung streifte und in einem Blumenbeet in der Barbarossastraße landete, ohne zu explodieren.

Mobilisierung

Im September 1939 versetzten die Niederlande ihre Armee in Kampfbereitschaft. Alle Brücken wurden Tag und Nacht bewacht. Die Spannungen zwischen Deutschland und den Niederlanden nahmen weiter zu. Ab dem 7. Mai 1940 wurden alle Beurlaubungen rückgängig gemacht.

Am 9. Mai beschloss das Armeekommando, die Truppen ab dem darauffolgenden Tag in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Die Grenzübergänge wurden geschlossen, die Barrieren auf den Brücken wurden vorbereitet und die Kasematte Lent-Ost mit fünf Mann Polizeikräften und sieben Mann Infanterie unter der Führung von Sergeant M. Monkel, voll besetzt.

Trojanisches Pferd

Die deutsche Armee hatte einen Plan aufgestellt, um die Brücken über die Waal zu erobern. Zusätzlich zu einem Überlandangriff sollte eine reguläre deutsche Kompanie kurz vor der Invasion mit einem Binnenschiff zur Brücke in Nimwegen fahren, um die Brücken zu nehmen. Diese Operation ‘Unternehmen Nimwegen’ wurde jedoch in letzter Minute eingestellt, da der Fluss inzwischen für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt war.

Unmittelbar nach dem Grenzübertritt der deutschen Truppen bei Wyler wurden am 10. Mai die Kommandanten der Lenter Kasematten alarmiert. Am frühen Morgen wurde befohlen, die Straßenbrücke und die Eisenbahnbrücke zu sprengen. Mit Erfolg, denn danach waren die Brücken völlig unbrauchbar. Die Kasematten hatten ihren Dienst erwiesen, die deutschen Truppen waren zu spät gekommen. Der Stabschef des Oberkommandos des Heeres, Franz Halder, schrieb folgenden Text in sein Tagebuch: “Trojanisches Pferd nicht durchgekommen, Nimwegen Brücke zerstört”. Trotz der zerstörten Brücken bei Nimwegen konnten die deutschen Truppen ihren Vormarsch in den Niederlanden fortsetzen. Am Abend des 10. Mai verschlossen die niederländischen Truppen die Kasematten und zogen sich auf Befehl zurück.

Besatzung

Nach der Kapitulation der Niederlande wurden Verteidigungsanlagen unbrauchbar gemacht und systematisch abgebaut. Den Flusskasematten wurde keine militärische Bedeutung beigemessen. Dies änderte sich in der ersten Hälfte des Jahres 1943, als die gesprengte Verkehrsbrücke wieder in Betrieb genommen wurde. Dies brachte die Kasematten wieder auf den Plan. Die deutsche Armee erwartete einen Angriff auf die Brücken, jetzt von Westen. Sie richtete den Valkhof zur Verteidigung am Südufer ein und errichtete eine schwere Betonsperre und Flugabwehrgeschütze am nördlichen Ausgang. Beide Brücken über die Waal wurden für eine Sprengung vorbereitet. Die Flusskasematten waren wieder Lagerplätze für Sprengstoffe. Außerdem wurden Scheinwerfer auf den Dächern von Lent-Mitte und Lent-Ost angebracht.

Market Garden

Am Sonntag, dem 17. September 1944, begannen die alliierten Streitkräfte mit der Operation Market Garden. Die Eroberung der Verkehrsbrücke in Nimwegen war ein wesentlicher Bestandteil des Plans. SS-Obergruppenführer Wilhelm Bittrich hatte das sofort verstanden. Er befahl sofort die 10. SS-Panzerdivision Frundsberg, einen Brückenkopf südlich der Waalbrücke zu bilden und die Eingänge zur Eisenbahn- und Verkehrsbrücke zu sichern. Die Angriffe der Alliierten blieben kurz vor den Brücken stecken. Erst als amerikanische Truppen in Segeltuchbooten die Waal überquerten und die deutschen Truppen auf der Nordseite der Brücke ausgeschaltet worden waren, fielen die Brücken unbeschädigt in alliierte Hände. Mit der Einnahme der Brücken endeten die Kampfhandlungen bei Nimwegen. Die Frontlinie lag bis Februar 1945 bei den Kasematten. In dieser sogenannten “Granatenzeit” litten die Brücken und die Stadt sehr unter deutschem Artilleriebeschuss.

Staatliche Denkmäler

Nach der Befreiung begann die Ära des Kalten Krieges. Mit dieser neuen Bedrohung aus dem Osten könnten sich die alten Verteidigungsanlagen wieder als nützlich erweisen. Im Juli 1945 wies das Kriegsministerium alle Gemeinden an, die auf ihrem Grundgebiet sich befindlichen Betonbunker zu melden, um über diese Bauwerke verfügen zu können. Das Amt ‘Bureau Registratie Verdedigingswerken‘  registrierte 1948 die Lenter Kasematten gemäß dieser Verordnung. Danach gerieten sie in Vergessenheit. Angesichts des Wachstums der Stadt Nimwegen und der räumlichen Konsequenzen daraus hat die Stiftung Menno van Coehoorn vorgeschlagen, den Kasematten einen Schutzstatus zu verleihen. Seit Anfang der 90er Jahre stehen die drei Kasematten unter Denkmalschutz.

3D Fort – Sander van de Berg

Die Kanone 5L50 Nr.2

Die 5L50 Nr. 2 wurde von den ‚Artillerie Inrichtingen‘ in Zaandam gebaut. Das Stück wog 512 kg und konnte Panzer- und hochexplosive Munition abfeuern. Die Brisanzpanzergranate Nº 2 hatte eine Anfangsgeschwindigkeit von 800 Metern pro Sekunde und war in der Lage, eine 20-mm-Panzerplatte in 1000 Metern Entfernung zu durchschlagen. Die effektive bereich betrug 2500 Meter mit einer maximalen bereich von 6000 Metern.

Das Maschinengewehr M08/15

Im Raum neben der Kanone befand sich das Maschinengewehr M08/15 auf einer M25-Lafette. Die Waffe wog 26 Kilogramm, inklusive 4,5 Liter Kühlwasser. Sie verbrauchte 7,9 mm Munition mit einer Schussrate von 500 Schuss pro Minute. Die Waffe wurde unter Lizenz von den ‚Artillerie Inrichtingen‘ zum Preis von 1500,- Gulden hergestellt.

(Vertaling: www.effeff.nl )